"Das Wichtigste für freie Medien ist deren Vernetzung untereinander"
06.01.2010 20:15 von Martin Pesendorfer
Das freie Magazin FM5 (www.fm5.at), gegründet um die Jahrtausendwende, ist in Oberösterreich und Wien stationiert. Monatlich publizieren die MitgliederInnen ein vielseitiges Online-Magazin und veranstalten darüber hinaus jeden Monat die Event-Reihe "Club Nolabel" im Wiener B72. Dort sollen junge KünstlerInnen aus Österreich bei ihren ersten Schritten in der Musikszene unterstützt werden. Eva Zimmermann, zukünftige Herausgeberin von FM5, sprach im Interview mit dem Österreichischen Medienverband über die Arbeit bei FM5, die Konkurrenzsituation zwischen den freien Medien und die Wünsche an den ÖMVB.
Medienverband: Das Jahr 2009 liegt hinter uns. Was hat sich bei FM5 im vergangenen Jahr getan?
Eva: Der Beginn des Jahres war aus meiner Sicht maßgeblich dadurch geprägt, dass Martin Aschauer FM5 aus Zeitgründen verlassen musste. Er war zuvor Vorstandssprecher und FM5-Mitbegründer und verkörperte das freie Magazin wie wahrscheinlich kein Anderer.
Der erste Höhepunkt war jedoch das Europafest im Mai 2009 in Schwarzenberg im Böhmerwald (Drei-Länder-Eck), an dem mehr als 2000 BesucherInnen teilnahmen. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem Land Oberösterreich durchgeführt. Da es sich um ein trilaterales kulturelles Event handelte spielten jeweils eine Band aus Deutschland, Tschechien und Österreich. Medial fand das Fest einen sehr guten Anklang.
Nach einem eher ruhigen Sommer ging es im September weiter mit dem Burgfest in Bad Kreuzen, welches auch sehr gelungen, mit ca. 800 Besuchern, über die Bühne ging. Seit Herbst 2009 widmen wir uns der Organisation des siebenten Geburtstagsfests, das am 9. Jänner stattfindet. Es spielen Rainer von Vielen, Anajo, Velojet und die Newcomerband Freak on Monday.
Medienverband: Seit 5. Jänner, wie jeden ersten Montag des Monats, ist die neue FM5-Ausgabe online auf fm5.at zu lesen. Wie sieht die redaktionelle Arbeit für eine Ausgabe genau aus?
Eva: Das Redaktionsteam umfasst ungefähr 50 Schreiberlinge aus allen Bundesländern. Im größeren Umfeld engagieren sich ca. 200 Personen für FM5. Es kann grundsätzlich JedeR bei uns mitmachen, sofern in einem Intervall von drei Monaten ein Artikel erscheint. Wir treffen alle einmal pro Monat zusammen, besprechen in einer Blattkritik die Artikel der letzten Ausgabe und erstellen in einer Themenrunde einen Pool von möglichen Beiträgen für die nächste Ausgabe. Danach wird im internen FM5-Forum auf Details eingegangen und die Arbeit koordiniert. Eine Woche vor Erscheinen der neuen Ausgabe ist Redaktionsschluss, bis dahin haben alle RedakteurInnen ihre Artikel eingereicht. Dann werden die Beiträge von den jeweiligen RessortleiterInnen Korrektur gelesen und auf formale und inhaltliche Kriterien überprüft. Schließlich kommen alle Artikel am ersten Montag des Monats online.
Medienverband: Wo liegen die inhaltlichen Schwerpunkte von FM5?
Eva: Wir sind ein Jugendkulturmagazin für alle von 12 bis „open end". Vor allem wenden wir uns an SchülerInnen und StudentInnen und bieten die Ressorts Reportagen, Musik, Lifestyle und Kreatives. Dort finden sich Artikel über Wirtschaft, Politik, Theater-, Konzert- und Buchrezensionen, natürlich Musik, und seit Neuestem auch Bilderstrecken oder kurze Prosastücke.
Medienverband: FM5 ist nicht das einzige Online-Jugendmagazin. Wenn man sich andere Seiten, wie zum Beispiel CHiLLi.cc oder junQ.at, ansieht, stellt sich die Frage, ob hier eine Konkurrenzsituation herrscht?
Eva: Ich denke nicht. Zumindest macht es auf mich nicht den Eindruck. Es ist mehr ein friedliches Nebeneinander, jedes Medium hat seine StammleserInnen und vielleicht gibt es auch LeserInnen die mehrere ähnliche Medien rezipieren, inhaltlich gibt es ja einige Überschneidungen.. Wer sich für FM5 interessiert, kann sich aber auch genau so gut für junQ.at begeistern.
Medienverband: Wie finanziert sich FM5?
Eva: Hauptsächlich durch Förderungen, Subventionen und Mitgliedsbeiträge. Außerdem ist es möglich auf fm5.at Werbung zu schalten. In den letzten Jahren hatten wir auch Sponsoren, wie beispielsweise Wien Energie, von denen jedoch, offiziell begründet, durch die Wirtschaftskrise fast alle abgesprungen sind.
Medienverband: Wo sieht sich FM5 in fünf Jahren?
Eva: Natürlich kann es immer besser werden, doch ich bin mit FM5 zufrieden wie es ist. Wir werden auf jeden Fall dran bleiben, dass unsere Onlinepräsenz auf Vordermann gebracht wird, die Organisation leichter wird und die Qualität der Beiträge steigt. Wir werden mit den Ressourcen die gegeben sind weiterhin das Beste machen, ohne dass sich jemand überarbeiten muss. Es wäre natürlich auch schön, wenn zum Beispiel die Konzerte, die derzeit im Raum Wien und OÖ stattfinden, noch mehr Zulauf finden und somit auch mehr Austausch zwischen den Jugendlichen stattfindet.
Medienverband: Zum Abschluss: Was wünscht sich FM5 für das Jahr 2010 vom Österreichischen Medienverband?
Eva: Das Wichtigste für freie Medien ist deren Vernetzung untereinander. Damit keine Konkurrenzsituation entsteht und ein friedliches Nebeneinander möglich ist. Außerdem kann man von den Anderen etwas lernen, sich etwas abschauen und Anregungen sammeln wie man selbst sein Medium weiterentwickeln könnte. Der Österreichische Medienverband steht für die Vernetzung und Bekanntmachung untereinander. Zentral ist auch, Förderungen und Unterstützungen von politischer Seite durchzusetzen. Anträge zu schreiben und für Förderungen anzusuchen ist immer eine unangenehme Sache. Dabei wünschen wir uns Unterstützung vom Medienverband, um abzuwehren dass freie Medien irgendwann an Qualität verlieren, nur weil es strukturelle Probleme gibt.
Zur Person: Eva Zimmermann, zukünftige Herausgeberin des freien Magazin FM5, kommt ursprünglich aus der Gegend um Linz und wurde dort auf FM5 aufmerksam. In Wien lernte sie Martin Aschauer und Markus Hader, die Mitbegründer von FM5, kennen und somit beginnt ihr Engagement für das Magazin. Sie ist sowohl für redaktionelle, organisatorische als auch kreative Tätigkeiten zuständig.
(Martin Pesendorfer)
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